Das Projekt wird von der Stadt Schortens unterstützt.

Vom Ankommen und Bleiben

Griechische Arbeitsmigration am Beispiel der Olympia-Werke Schortens-Roffhausen

Anfang 2019 entstand die Idee zu einem eigenen Forschungsprojekt zur griechischen Arbeitsmigration in Wilhelmshaven. Nach dem vorangegangenen erfolgreich abgeschlossenen Projekt „Vom Weggehen und Ankommen“ - Über die griechische Arbeitsmigration im 20. Jahrhundert in Wiesbaden (am Beispiel der Chemischen Werke der Kalle AG) entstand im Zuge der Forschungsrecherchen eine Kooperation zu den ehemaligen Betriebsratsmitgliedern der Olympia Werke und zu ersten griechischen (Gast-) Arbeiter*innen.

 

Der Fokus der Arbeit liegt ethnografisch auf den sogenannten "Einwandererfamilien" der 1. und auch der 2. Generation ehemaliger „Olympianer“. Die Erfahrungswerte zum Thema Migration und Integration der griechischen Zuwandererinnen und Zuwanderer der „1. Stunde“ sollen erforscht und erfasst werden. So erhalten sie die Möglichkeit, ihre Erfahrungen der eigenen jahrzehntelangen Migration zu erzählen und im Rahmen einer späteren Publikation für die Folgegenerationen festzuhalten. Mit den Methoden der „Oral History“, dem „Erzählenlassen von Zeitzeugen“ entwickelt sich ein Forum, die verschiedene Formen der Integration und der Migrationsprozesse einer breiteren Öffentlichkeit anschaulich dokumentiert.

 

 

Interview mit Dr. Peter Oehler

Ehrenamtlicher Statteilhistoriker mit dem Schwerpunkt Griechinnen und Griechen in Frankfurt

Peter Oehler ist von Haus aus Ingenieur - er hat Elektrotechnik an der TU Darmstadt studiert sowie am seine Promotion am Fachbereich Informatik der Goethe-Universität Frankfurt am Main abgeschlossen. Zum Interview


Mit diesem Projekt wird ein wichtiger Teil der Arbeitsmigration im Landkreis Friesland und Umgebung abgebildet – regionale Arbeits- und Kulturgeschichte am Beispiel der griechischen Arbeitsmigrantinnen und Arbeitsmigranten der ehemaligen Olympia-Werke sichtbar gemacht. 

 

Aus der Geschichte können wir lernen und erfahren, wie Integration gelingen kann. 

 

So wird der Frage nachgegangen, was die Parameter der „gelungenen“ Integration waren: was waren die Hintergründe dafür, dass die eingewanderten Griechinnen und Griechen zu den „Integrationsgewinnern“ in Deutschland und auch im Landkreis Friesland, Schortens und Wilhelmshaven zählten und immer noch zählen. 

 

Als Erhebungs-Methoden werden im Rahmen der kulturwissenschaftlichen Feldforschung narrativ-episodische Interviews angewandt. Diesen halb-standardisierten Interviews liegt ein Interview-Leitfaden zugrunde, der sich aus den Themenfeldern „Kulturelle Zugehörigkeit“, „Formen der Identität“ und aus den vorangegangenen und (noch andauernden) Integrations- und Migrationsprozessen zusammensetzt.

 

Geplant ist, das karitative Forschungsvorhaben mit einer Projektlaufzeit von einem Jahr zu realisieren.

 

 

Griechische Arbeitsmigration am Beispiel der Olympia-Werke Schortens-Roffhausen

  • Kontaktaufbau zu griechischen Arbeitsmigrant*Innen, Kooperationen, Netzwerk- und Öffentlichkeitsarbeit und eine eigene Projekt-Homepage https://www.maike-woehler.de/
  • Praktische Unterstützung gibt es von Seiten der Stadt Schortens und den ehemaligen Betriebsratsmitgliedern der Olympia Werke

Ziel und Nutzen des Projektes

Nutzen für die niedersächsische Region - Die Themen "Migration und Integration" sind aktuell

© Stadtmuseum Oldenburg
© Stadtmuseum Oldenburg

Griechinnen und Griechen zählen zu den am besten integrierten Nationalitäten in Deutschland. Es ist von gesellschaftlicher Bedeutung, besonders vor dem Hintergrund des Miteinanderlebens vieler Nationalitäten im Landkreis Friesland und der Region um Wilhelmshaven, dass die Menschen, die diesen langen, oft beschwerlichen Weg erst über die Arbeitsmigration, dann über die Immigration bis hin zu einer dauerhaften Niederlassung gegangen sind, nach ihren „Integrations-Erfolgsparametern“ befragt und „gesehen“ werden. 

 

Die Forschung und Erhebung bezieht sich ausschließlich auf den Landkreis Friesland, Schortens und um die Region um Wilhelmshaven. D.h. das Projekt ist aktuell, zeitnah und widmet sich „zukunftsträchtigen Aufgaben“ zum Thema Migration und Integration und somit um die Zukunft einer expandierenden Region. 

 

Die ausländischen Arbeitskräfte wurden im Rahmen vorangegangener bilateraler Anwerbeabkommen in den 1960er Jahren für eine vorerst zeitlich befristete Tätigkeit in Deutschland angeworben. Sie waren flexible Arbeitskräfte auf Zeit - die Dauer der Tätigkeit war besonders in den Anfangsjahren strikt an die Aufenthalts- und somit die Arbeitserlaubnis gebunden.

 

Der Fakt, dass in den Anfangsjahren oft gebangt werden musste, ob die Arbeitsverträge verlängert wurden oder nicht, erschwerte in vielen Fällen den „reibungslosen“ Integrationsprozess der zugewanderten Menschen. Anfangs kamen junge, kräftige „Arbeitswillige“ als Einzelpersonen, folgten oft in Kettenwanderungen Familienmitgliedern oder Nachbarn aus ihrem Dorf oder ihrer Region - spätestens nach 1-2 Jahren versuchte man, die Familienangehörigen auch nach Deutschland zu holen. 

 

Unter den befristeten Aufenthalten im fernen Deutschland und der Zitterpartie mit den zeitlich befristeten Arbeitsverträgen hatten ganze Familien im Ausland zu leiden. Sie waren auf die regelmäßigen Geldüberweisungen angewiesen, denn in den meisten Fällen war der griechische Auswanderer der Einzige, der das Geld verdiente, da im damaligen Griechenland (besonders im Norden des Landes) der 1960er Jahre  eine große Armut - verbunden mit einer hohen Arbeitslosigkeit besonders in den Nordregionen Griechenlands - herrschte. 

 

 

Mit dem Forschungsvorhaben soll die Integrationsleistung der ehemaligen Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter abgebildet werden. Nicht nur mit ihrer Arbeitskraft, sondern auch mit ihrer griechischen Kultur trugen sie zu einer veränderten multiethnischen und „bunteren“ Stadtgeschichte und zu einer nachhaltigen Prägung der Region bei. 

 

 

Deutschland erreichte sein Wohlstandsniveau auch dank der enormen Aufbau- und Lebensleistung von Gastarbeiterinnen und Gastarbeitern. Viele, die vor über fast sechs Jahrzehnten aufgrund der wirtschaftlichen Not im Heimatland auswanderten, fanden nach und nach in Deutschland eine neue Heimat und gründeten eigene Familien. 

 

Griechische Einwanderungsgeschichte(n) von fast sechs Jahrzehnten

Die Folgegeneration der ersten griechischen Zuwanderinnen und Zuwanderer, Kinder und Kindeskinder, von denen viele mittlerweile die doppelte Staatsangehörigkeit besitzen, zeichnen sich durch eine gute schulische Bildung aus, verfügen über ein hohes Bildungsniveau und partizipieren wie „Andere“ auch an der sozialen Teilhabe bzw. am Bildungssystem, am Arbeitsmarkt und am Bildungsangebot

 

Aktuell, zukunftsträchtig und völkerverbindend - Eine Region der Migration - Eine Region der Vielfalt

Grenzüberschreitende dynamische Wanderungsbewegungen und die damit verbundene Diversität prägen das urbane Leben und die Stadtentwicklung und tragen zu einer Kosmopolitisierung des Alltags bei. Die 'Zuwanderungswellen' der letzten Jahrzehnte prägten nachhaltig bis heute die Kultur, das Leben und das soziale Land- und Stadt-Gefüge der Friesländer- und Wilhelmshavener Bevölkerung.

 

Die Städte und Landkreise unterliegen neuen Herausforderungen, denn für mehr und mehr Menschen mit unterschiedlichen Nationalitäten suchen ihre „neue Heimat“ in Deutschland. „Man sollte dazu das Profil der Stadt, ihre Identität schärfen, Kenntnisse vermitteln und vor allem die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben fördern“.

 

Es ist von gesellschaftlicher Bedeutung, besonders vor dem Hintergrund des Miteinanderlebens vieler Nationalitäten im Landkreis Friesland,  dass die Menschen, die diesen langen, beschwerlichen Weg erst über die Arbeitsmigration, dann über die Immigration bis hin zu einer dauerhaften Niederlassung gegangen sind, gesehen und gehört werden.

 

Solange ihre Integrationsleistung weder wahrgenommen noch anerkannt wird, vollzieht sich der stille Prozess der langsamen Migration allein und gesellschaftlich isoliert.

Die Menschen der Aufnahmegesellschaft und die der Zugewanderten agieren in dem Prozess der Migration und Integration aktiv miteinander. Beide tragen eine Verantwortung für ein gesellschaftliches Miteinander, das nicht in einem Nebeneinander und in sogenannte „Parallelgesellschaften“ führen sollte.

 

Nur mit großer Kenntnis vieler Kulturen, deren Identitäten und Kulturpraktiken, mit Selbstverständnis und einem Aufeinanderzugehen kann Integration gelingen. 

 

Aufgrund der bevorstehenden Herausforderungen im Zuge der demographischen Entwicklung mit einhergehendem zunehmenden Fachkräftebedarf rückt das Thema 'Zuwanderung' mehr und mehr in den politisch-öffentlichen Fokus und wird zunehmend als Chance gesehen, die zu einer Lösung beitragen kann. 

 

Es ist wichtig, für eine „Willkommensgesellschaft“, die Integrationsleistungen der Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter besonders auch der 1. Generation zu würdigen und ihnen unter anderem auch mit diesem Forschungsprojekt und der anschließenden Projektveröffentlichung eine gesellschaftliche Plattform zu geben.